Ausstellung

Yokohama 1868–1912 Als die Bilder leuchten lernten

8. Oktober 2016 bis 28. Mai 2017

Yokohama ist der Ort, der symbolisch für den Beginn der japanischen Moderne und für die Öffnung des Landes zur Welt steht. Mit den Europäern kommt um 1860 die noch in den Kinderschuhen steckende Kunstform der Fotografie ins Land, erlebt hier einen kometenhaften Aufstieg und löst die traditionelle Bildtechnik des Ukiyo-e-Holzschnitts zunehmend als zentrales Bildmedium ab.

Die Ausstellung Yokohama 1868–1912. Als die Bilder leuchten lernten widmet sich dem eigenwilligen Schlusskapitel des Ukiyo-e und dem parallelen Aufstieg der japanischen Fotografie. Mit mehr als 250 Holzschnitten und historischen Fotografien bietet die Schau überraschende, weitgehend unbekannte Einblicke in ein Land im Umbruch und in ein einzigartiges Kapitel der japanischen Kunst.

Der heutigen Hafenstadt Yokohama kam bei der Öffnung Japans eine zentrale Rolle zu: Nicht weit von dem kleinen Fischerort gingen 1853 die „Schwarzen Schiffe“ unter US-Admiral Perry vor Anker. Diese militärische Machtdemonstration leitete das Ende der über 200 Jahre währenden Isolation Japans ein und zwang das Inselreich, sich dem internationalen Handelsverkehr zu öffnen. In der Folge entstanden große Ausländersiedlungen, internationale Handelsgesellschaften eröffneten Niederlassungen in der Stadt und Yokohama avancierte zum beliebten Etappenstopp der ersten bürgerlichen Touristen auf ihrer klassischen „Grand Tour“ rund um die Welt.


Eine faszinierende Begleiterscheinung dieser Entwicklung war der Siegeszug der Fotografie, die gerade in Japan auf ein überwältigendes Echo stieß. Die ersten Fotostudios in Yokohama wurden bereits um 1860 eröffnet, zunächst von europäischen Fotografen, denen jedoch schon bald japanische Meister der Fotografie folgten. Yokohama 1868–1912. Als die Bilder leuchten lernten präsentiert Werke von europäischen Pionieren wie Felice Beato (1832–1909) oder Raimund von Stillfried-Ratenicz (1839–1911). Ebenso sind in der Ausstellung die Arbeiten außergewöhnlicher japanischer Meister wie Kusakabe Kinbei (1841–1932) und Ogawa Kazumasa (1860–1929) vertreten, deren Oeuvre sich vor allem in Motivik und Komposition deutlich von dem der Europäer absetzt. Gerade diese frühen japanischen Fotografien haben eine fast magische Intensität. Sie bedienen zunächst vordergründig vielerlei Klischees eines naiv-exotischen Japanbildes, brechen es in der Folge jedoch virtuos mit einer stilisierten, gleichwohl meisterhaft arrangierten und ausgeleuchteten Bühnensituation und einer eigenen Handschrift.

Diese lebendige Frühphase der japanischen Fotografie ging mit dem langsamen Niedergang des Ukiyo-e-Holzschnittes einher, der zunehmend seinen Ausverkauf ins Ausland erlebte und in Japan kaum mehr auf Interesse stieß. Yokohama-e („Yokohama-Bilder“) heißt eine Sonderform des Ukiyo-e, die sich in der japanischen Hafenmetropole in jenen Jahren heranbildete und den Einbruch der international geprägten Moderne in den japanischen Alltag zum Gegenstand macht. In anrührender Weise drücken diese in der Ausstellung gezeigten Blätter das grenzenlose Staunen aus, mit dem man in Japan dem völlig fremdartigen internationalen Handelsverkehr und all den mit ihm einhergehenden Neuerungen begegnete. Ein bizarres Schlusskapitel erlebte die Holzschnittkunst schließlich in Propagandadrucken aus dem Chinesisch-Japanischen (1894/95) und dem Russisch-Japanischen Krieg (1904/05), in denen der Größenwahn der Periode des Ultra-Nationalismus der 1930er und 1940er Jahre vorweg genommen wird.

Yokohama 1868–1912. Als die Bilder leuchten lernten präsentiert anhand von Werken aus zwei bedeutenden deutschen Privatsammlungen sowie aus Beständen des Museum Angewandte Kunst hierzulande weitgehend unbekannte Ansichten einer Kunstform im Niedergang und einer neuen im Aufbruch. Im Gegenüber geben die Holzschnitte und Fotografien ein differenziertes Bild des rasanten Wandels Japans von einer traditionell geprägten asiatischen Kultur hin zu einem modernen Industrie- und Kolonialstaat.

Zur Ausstellung ist ein reich illustrierter Katalog auf Deutsch, Englisch und Japanisch erhältlich. Er kann für 29 Euro an der Museumskasse erstanden oder für 3 Euro Versandgebühr pro Katalog (deutschlandweit) auf Rechnung bestellt werden. Senden Sie hierfür eine Mail mit Ihrer Anschrift und der Anzahl der gewünschten Kataloge an: Sandra.Schwarz@stadt-frankfurt.de

Kurator: Dr. Stephan von der Schulenburg


Unsen, um 1875, Farbholzschnitt, Triptychon
WEB_Baron-Raimund-von-Stillfried-Ratenicz-Liegende-Frau-handkoloriert
Signiert, Kachosei Theater, Anzeige, Farbholzschnitt, Triptychon, Meiji Zeit


Pressestimmen

„Yokohama 1868-1912 erzählt von einem Aufeinanderprallen der Kulturen. (…) Die Hängung der 300 Stücke – aus zwei Privatsammlungen und den Beständen des Hauses- ist eine aufgeräumte Augenweide an farbigen Wänden.“

(7.10.16 Frankfurter Rundschau)

„Die Ausstellung im Ganzen präsentiert ein farbiges und detailreiches Bild der Epoche.“

(6.10.16 FAZ)

“Die Ausstellung zeigt auf eindrucksvolle Weise das Aufblühen und die Etablierung der Fotografie in Japan und die gleichzeitig immer weiter zunehmende Zurückdrängung des traditionellen Ukiyo-e-Farbholzschnitts.“

(Oktober 2016 Journal Frankfurt)


Aktuelle Termine des Begleitprogramms

Kalender

Wir fertigen einen Manekineko an, einen japanischen Glücksbringer in Form einer winkenden Katze. Manekinekos gibt es in Japan bereits seit etwa 1600. Sie sollen das Glück herbeiwinken und gleichzeitig alles Böse fernhalten.

Mit Charlotte Rix.

Zur Ausstellung: Yokohama 1868–1912. Als die Bilder leuchten lernten

Für Familien mit Kindern ab 4 Jahren.

Anmeldung erforderlich unter 069-212 73237 oder
create.angewandte-kunst@stadt-frankfurt

Kostenlos für die ganze Familie.

Wir fertigen einen Manekineko an, einen japanischen Glücksbringer in Form einer winkenden Katze. Manekinekos gibt es in Japan bereits seit etwa 1600. Sie sollen das Glück herbeiwinken und gleichzeitig alles Böse fernhalten.

Mit Charlotte Rix.

Zur Ausstellung: Yokohama 1868–1912. Als die Bilder leuchten lernten

Für Familien mit Kindern ab 4 Jahren.

Anmeldung erforderlich unter 069-212 73237 oder
create.angewandte-kunst@stadt-frankfurt

Kostenlos für die ganze Familie.

Uups, da fehlt doch was! Das Bild ist noch nicht fertig! Wohin führen diese Gleise? Was liegt hinter diesem Berg? Und was ist im Inneren des Schiffes versteckt? Wir zücken unsere Stifte und malen Bilder aus der Ausstellung Yokohama 1868–1912. Als die Bilder leuchten lernten mit ganz viel Fantasie weiter.

Mit Jil Hingott.

Zur Ausstellung: Yokohama 1868–1912. Als die Bilder leuchten lernten

Von 5 bis 10 Jahren.

Ohne Anmeldung. 5 Euro Workshopgebühr.

Mehr zu GestalterKids

Über das Verhältnis zwischen europäischen Männern zu japanischen Frauen in der japanischen Fotografie des 19. Jahrhunderts.

Mit Dr. Allard Mees (Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz).

Zur Ausstellung: Yokohama 1868–1912. Als die Bilder leuchten lernten

Ohne Anmeldung. Eintritt zur Veranstaltung 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. (Eintritt in die Ausstellungen im Preis nicht enthalten.)

Ein Furoshiki ist ein quadratisches Tuch, das in Japan traditionell zum Verpacken oder Transportieren etwa von Geschenken oder Kleidern genutzt wurde. Durch unterschiedliche Knottechniken wird das Tuch den jeweiligen Anforderungen angepasst. Seit einigen Jahren ist das Furoshiki unter jungen Japanern als nachhaltige Alternative zur Plastiktüte wieder populär und findet zunehmend auch seinen Weg nach Europa.

Mit Naomi Werner.

Zur Ausstellung: Yokohama 1868–1912. Als die Bilder leuchten lernten

Anmeldung erforderlich unter 069-212 73237 oder create.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de. 20 Euro zzgl. 9 Euro Eintritt.


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