Museum

Provenienzforschung

Seit August 2016 prüft das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main seine kunsthandwerklichen Sammlungsbestände systematisch auf unrechtmäßig angeeignete Objekte aus jüdischem Besitz zur Zeit des Nationalsozialismus.

Durch die Erforschung des Bestandes ab 1933 bis in die Nachkriegsjahre möchte das Museum Angewandte Kunst seiner historischen Verantwortung nachkommen und seine Verbindlichkeiten im Sinne des Washingtoner Abkommens (1998) erfüllen. In den Inventarlisten des Museum Angewandte Kunst aus den Jahren 1933 bis 1945 und den Nachkriegsjahren wurden bislang über 2.000 Objekte mit ungeklärten Provenienzen aufgefunden.

Das Forschungsinteresse richtet sich auf all jene Kunstgegenstände, die von den verantwortlichen Museumsakteuren jener Zeit bei einschlägigen deutschen bzw. französischen und niederländischen Kunsthandlungen gekauft und bei Auktionshäusern ersteigert wurden. Die Inventarlisten verweisen auf Erwerbungen bei einer Reihe von Kunsthändlern in Frankfurt am Main oder überregionale Kunsthandlungen. Über 50 Provenienzen von Objekten aus den Beständen des Museum Angewandte Kunst wurden im Paris der Besatzungszeit (1940 bis 1944) angekauft.

Auffällig sind Artefakte, die in der Zeit von 1933 bis 1945 als „Übernahmen“ gekennzeichnet sind und von der Stadt Frankfurt für das Museum erworben wurden, Ankäufe, die als „Frankfurter Altbesitz“, „Finanzamt Frankfurt“, „von der Stadt überwiesen“, oder „Pfandhaus Frankfurt“ in den Inventarlisten aufgeführt werden. Darunter fallen auch zahlreiche Silberobjekte aus ehemals jüdischem Besitz (sogenanntes Judensilber), die mit einer sogenannten „Judennummer“ versehen waren.

Des Weiteren sieht das Projekt vor, die Recherche zur Sammlung Maximilian von Goldschmidt-Rothschild auf Grundlage des vorausgegangenen Forschungsprojekts (2009), gefördert von der Arbeitsstelle für Provenienzforschung, weiterzuführen. Die Identifizierung von Werken der Sammlung Maximilian von Goldschmidt-Rothschild sowie Nachforschungen zu ihrem Verbleib sollen nicht zum Schließen von Akten führen, sondern zur Projektierung eines in die Zukunft reichenden Erinnerungspfades.
Im Zuge der Provenienzforschung der kunsthandwerklichen Sammlungsbestände des Museum Angewandte Kunst soll von Fall zu Fall geklärt werden, ob sich unter den zu untersuchenden kunsthandwerklichen Objekten NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut befindet.

Titel des Projekts: Systematische Erforschung der kunsthandwerklichen Sammlungsbestände des Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, auf unrechtmäßig angeeignete Kunstobjekte aus jüdischem Besitz, sowie Klärung offener Fragen zu verbliebenen Objekten aus der Sammlung Goldschmidt-Rothschild

Gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste Magdeburg
(Laufzeit: 1. August 2016 bis 28. Februar 2018).

Ansprechpartnerin Provenienzforschung am Museum Angewandte Kunst
Dr. Katharina Weiler
katharina.weiler@stadt-frankfurt.de