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Blickwechsel Der Geist der Verschwendung – was kommt danach?

07. Mai 2015

Unser gegenwärtig dominierendes Wirtschaftsmodell ist auf Wachstum hin ausgelegt. Es ist ein historisch gewordenes Modell und dennoch hat sich der Mythos verfestigt, es sei das einzige, welches Entwicklung und gesellschaftlichen Wohlstand sichert.

Wissenschaftler sprechen davon, das Anthropozän habe begonnen, das Zeitalter der Menschen, die durch ihr Tun auch auf alle übrigen Prozesse der Erde Einfluss nehmen. Kann also dieses auf Wachstum basierte Wirtschaften das Maß aller Dinge sein, wenn man sich die globalen Auswirkungen des alltäglichen Handelns eines jeden Einzelnen anschaut?

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Niko Paech, Experte für Fragen des nachhaltigen Konsums, beleuchtete zu Beginn des Blickwechsels kritisch den neuen Königsweg des „grünen“ Wachstums. Denn wie fair ist eigentlich Bio? Er stellte sein Konzept einer Postwachstumsökonomie vor und fragte, ob nicht jede Variante eines Wachstumsmodells letztlich darauf abziele, den Konsum anzukurbeln?

Im Anschluss daran stellte Christine Fuchs zur Diskussion, ob Wachstum in einigen Bereichen nicht doch für ein gutes Leben unabdingbar sei. Aber woher stammen unsere Bewertungskriterien, was dieses gute Leben ist? Fuchs lenkte den Blick auf die kulturelle Kodierung unserer Wünsche und fokussiert darauf, wie Bedürfnisse künstlich erzeugt werden.

Aus ihrer unmittelbaren Unternehmerpraxis heraus stellten Kristine Heckmann (hessnatur) und Matthias Emde (Transition Town Frankfurt) alternative Formen des Wachstums und des Wachsens vor und sie erörterten, wo ganz praktisch deren Möglichkeiten und Grenzen liegen.

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Nach ihren Stellungnahmen diskutierten Matthias Emde, Christine Fuchs, Kristin Heckmann und Niko Paech gemeinsam mit Laura Krautkrämer und dem Publikum, wie ein sinnstiftendes und zukunftsfähiges Wirtschaften gestaltbar sein kann. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Tätigkeiten reflektierten sie, welche kulturellen und politischen Zwänge den Konsumenten am Geist der Verschwendung festhalten lässt – obwohl bekannt ist, dass die Grenzen unseres Planeten längst überschritten sind. Ebenso nahmen sie sich der Frage an, wie in einer nicht mehr wachsenden Wirtschaft Wohlstand neu definiert und verteilt werden kann, so dass ein gutes Leben für alle möglich wird.

Podium:

Matthias Emde, diplomierter Geologe, arbeitet als wissenschaftlich-didaktischer Illustrator. Engagiert sich seit 2011 für Transition Town Frankfurt, Bereiche Kernteam, Kommunikation und Veranstaltungen

Dr. Christine Fuchs, Juristin und Bildende Künstlerin, ist Leiterin von STADTKULTUR Netzwerk Bayerischer Städte e.V., veranstaltet landesweite Projekte und kulturpolitische Tagungen, zuletzt zum Thema “Kulturwerte – die kulturelle Seite der Kreativwirtschaft”

Kristin Heckmann, Hess Natur-Textilien GmbH, Gruppenleiterin Sozialstandards und
Nachhaltigkeitsmanagement

Prof. Dr. Niko Paech, Studium der Volkswirtschaftslehre (Promotion 1993, Habilitation 2005), derzeit vertritt er den Lehrstuhl für Produktion und Umwelt an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Paech forscht und lehrt u.a. in den Bereichen Klimaschutz, nachhaltiger Konsum, Umweltökonomik, Sustainable Supply Chain Management, Innovationsmanagement und Postwachstumsökonomik.

Laura Krautkrämer (Moderation)
Langjährige Erfahrung als PR-Beraterin und -Redakteurin mit Schwerpunkten in den Bereichen Kulturmarketing, Stiftungs-PR und CSR, seit 2005 freiberufliche Tätigkeit für verschiedene ethisch-ökologisch ausgerichtete Unternehmen und Einrichtungen; seit 2009 außerdem Redakteurin des anthroposophischen Monatsmagazins Info3.