10. Mai 2025 – 11. Januar 2026

Die Ausstellung Yes, we care. Das Neue Frankfurt und die Frage nach dem Gemeinwohl widmete sich dem Thema der Gemeinwohlpflege und Daseinsfürsorge – ihren Institutionen und Verbänden, ihren Personen, Konzepten und Initiativen in den 1920er Jahren. Gleichzeitig spannte sie den Bogen zur heutigen Care-Krise, die sich nicht nur in der Debatte über die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit zwischen Männern und Frauen, sondern auch im Zugang zu bezahlbarem Wohnraum und der Versorgung der Stadtteile mit Betreuungsangeboten zeigt.
Der Begriff „Care“ meint Pflege und Fürsorge, aber auch Betreuung, Sorgfalt und Obacht. „Care“ hat eine zwischenmenschliche und zugleich eine sozialpolitische Dimension. „Care“ schließt immer die anderen mit ein, ganz gleich, wer sie sind und wie viele. Das Sorgen für diese Vielen, für das Gemeinwohl also, war in der Zeit des Neuen Frankfurt in den 1920er Jahren ein zentrales Motiv der Stadtplanungspolitik.
In den 1920er Jahren erhielt Frankfurt am Main durch das forcierte Wohnungs- und Städtebauprogramm eine zukunftsweisende Dynamik. Sie setzt die schon zuvor begonnenen Urbanisierungsprozesse als soziale Stadtentwicklung auf hohem Gestaltungsniveau fort: in der Gründung und Weiterentwicklung kommunaler Institutionen, wie den Fürsorge-, Sport- und Gesundheitsämtern, in einer professionalisierten Jugend- und Krankenfürsorge, in strukturierten Bildungsentwicklungen, die pädagogische Reformen im Schulwesen anstoßen und auch das Volks-, Frauen- und Berufsbildungswesen jener Jahre mit Räumen und Programmen versorgt und in dem Versuch, durch Zentralwäschereien und -heizungen die häusliche Arbeit zu vereinfachen. Ernst May formulierte es wie folgt: „Die Erhaltung der menschlichen Gesundheit, als des kostbarsten Gutes einer Stadt, hat aber alle Verwaltungsmaßnahmen zu beeinflussen.“
Zahlreiche Projekte im Wohnungs- und Siedlungsbau sowie in der Errichtung industrieller und öffentlicher Bauten sind erfolgreich umgesetzt worden. Noch heute sind viele von ihnen in Funktion, werden gebraucht, bewohnt und genutzt. Trotz des beispielgebenden Erfolges, sind auch zahlreiche Projekte aus Geldmangel nicht realisiert worden, darunter Kindergärten, Volkshäuser, Bibliotheken und Sportstätten. Ihnen galt es in der Ausstellung, besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, da gerade in ihnen die Gemeinwohlorientierung einer demokratischen und sozialen Stadt sichtbar werden und ihr immer noch utopischer Gehalt einen kritischen Blick auch auf die aktuelle Situation lenkt.


Care-Arbeit gestern und heute: Welche Institutionen, Initiativen und Konzepte in Bezug auf Bildung, Haushalt, soziale Fürsorge und Gesundheit gab es vor 100 Jahren und welche Auswirkungen hatten sie auf das Alltagsleben der Menschen? Bieten die Ideen und Konzepte des Neuen Frankfurt Anregungen für die Lösung der aktuellen Krise in den Care- und Pflegeberufen? Können sie in Zeiten politischer Polarisierung, des Mangels an bezahlbarem Wohnraum und der Manifestierung von Armut Vorbilder für wirksame Gegenmaßnahmen sein? Mit der Ausstellung Yes, we care wollten wir einmal mehr über den Wert einer sozialen Stadtgesellschaft debattieren und positive Impulse für die Gegenwart und die Zukunft geben.
Die Ausstellung präsentierte Objekte, Texte, Fotografien, Film- und Audiobeiträge aus den Bereichen Bildung, Haushalt, Soziales und Gesundheit der 1920er Jahre und verband die Erscheinungen mit den aktuellen Erfahrungen sowie Fragen an unsere globale Zukunft.
Kuratorin: Grit Weber
Für die Ausstellung Yes, we care. Das Neue Frankfurt und die Frage nach dem Gemeinwohl gab es ein Begleitheft in Leichter Sprache. Übersetzt wurde das Heft in Zusammenarbeit mit den Praunheimer Werkstätten GmbH und das Bureau Sandra Doeller übernahm die Gestaltung. Das Begleitheft wurde gefördert von der Stabstelle Inklusion der Stadt Frankfurt am Main.
Sie erhalten das Begleitheft in Leichter Sprache hier zum Download.
Anlässlich der Ausstellung und dem 100-jährigen Jubiläum des Neuen Frankfurt erschien der Katalog Yes, we care. Das Neue Frankfurt und die Frage nach dem Gemeinwohl im Spector Books Verlag.
Herausgegeben von Grit Weber und Matthias Wagner K
Mit Beiträgen von Veronika Dume, Gabu Heindl, Stefan Schmidt, Joachim Scholz, Margarete Schütte-Lihotzky, Grit Weber und Marie-Noëlle Yazdanpanah
Design: Bureau Sandra Doeller
Deutsch
320 Seiten
ca. 150 s/w- und 50 Farbabbildungen
Softcover
16 × 24 cm
Preis: 32 Euro

6. – 11. Oktober 2025
Während der Herbstakademie wurden aktuelle stadt- und wohnpolitische Fragestellungen bearbeitet und diskutiert. Welche Lösungsansätze gibt es für eine gemeinwohlorientierte Wohnungs- und Bodenpolitik? Wie kann der aktuelle Bestand umgenutzt werden? Welche Infrastrukturen der urbanen Fürsorge brauchen wir? Und wie lassen sich Küchen vergemeinschaften? Die Herbstakademie suchte anhand der Begriffe City / Care / Commons nach Perspektiven für eine ökonomisch, ökologisch und sozial gerechte Stadt.
Ausgangspunkt der Herbstakademie war das Neue Frankfurt, welches 2025 sein 100-jähriges Jubiläum feiert. Mit demokratischem Anspruch und sozialem Engagement entstand eine Vision für ein neues urbanes Leben. Die damalige Planung wurde während der Herbstakademie kritisch befragt und produktiv weitergedacht, um aktuelle Herausforderungen in Stadt- und Wohnungspolitik zu diskutieren.
City, Care und Commons: Die Herbstakademie brachte unterschiedliche Disziplinen, Perspektiven und Akteur:innen aus Wissenschaft, Stadtpolitik und -Verwaltung sowie der Zivilgesellschaft zusammen. Sie schlug Brücken zwischen Vergangenheit und Zukunft, um zu diskutieren, wie das Zusammenleben in Städten auch angesichts multipler Krisen gelingen kann.
Vormittags fanden Seminare mit Mentor:innen statt. An den Nachmittagen brachten Exkursionen, Ausstellungsbesuche und Workshops die Gruppen zusammen und in Austausch mit den Ausstellungen und Partner:innen der Herbstakademie. Die Abende waren öffentlichen Diskurs- und Kulturveranstaltungen gewidmet.
Mentor:innen
• Paola Alfaro – d‘Alençon
Professur für Städtebau und Entwerfen im internationalen Kontext, Frankfurt University of Applied Sciences
• Gabu Heindl
Professur für Bauwirtschaft und Projektentwicklung | ARCHITEKTUR STADT ÖKONOMIE, Universität Kassel
• Folke Köbberling
Professur am Institut für Architekturbezogene Kunst, TU Braunschweig
• Elke Krasny
Professur für Kunst und Bildung, Akademie der Bildenden Künste Wien
• Renée Tribble
Professur für Städtebau, Bauleitungsplanung und Stadtgestaltungsprozesse, TU Dortmund
Die Herbstakademie schloss an aktuelle Ausstellungen im Rahmen vom Jubiläumsjahr 100 Jahre Neues Frankfurt an
Was war das Neue Frankfurt? Kernfragen zum Stadtplanungsprogramm der 1920er Jahre
10. Mai 2025 – 11. Januar 2026, Museum Angewandte Kunst
Yes, we care. Das Neue Frankfurt und die Frage nach dem Gemeinwohl
10. Mai 2025 – 11. Januar 2026, Museum Angewandte Kunst
Alle Tage Wohnungsfrage. Vom Privatisieren, Sanieren und Protestieren
18. Juni 2025 – 1. Februar 2026, Historisches Museum Frankfurt
Stadt Bauen Heute? Herausforderungen neuer Quartiere in Deutschland
28. Juni – 2. November 2025, Deutsches Architekturmuseum

Eine Kooperation des Deutschen Architekturmuseums, des Museum Angewandte Kunst und des Historischen Museums Frankfurt.
Gefördert durch die Stadt Frankfurt am Main sowie vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik und dem Projekt Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren.
Akademische Partnerin war das Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie (Goethe-Universität Frankfurt am Main).
Mehr Informationen zu den Seminaren der Herbstakademie.
Mehr Informationen zum Rahmenprogramm der Herbstakademie.
31. Mai 2025 – 11. Januar 2026

Eine Produktion von Hannes Seidl & Briefkastenfirma in Koproduktion mit Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main. Gefördert aus Mitteln der Stadt Frankfurt am Main und dem Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur.
Seit jeher wird Klängen eine heilende Wirkung zugeschrieben: von den tiefen Frequenzen des Erdmagnetfelds bis zu Solfeggio-Tönen, die innere Blockaden lösen und spirituelles Erwachen fördern sollen. Doch Fürsorge ist mehr als Schwingung. Sie ist menschliche Zuwendung, sie erfordert, sich für Empathie Zeit zu nehmen. Spätestens wenn Essen, Anziehen, Waschen ohne Hilfe unmöglich wird, sind wir auf andere Menschen angewiesen. Mit der Auflösung der Familie als Zentrum der Fürsorge hat sich vor allem in den westlichen Ländern ein ausgefeiltes System ambulanter Pflege entwickelt. Ein Geschäftsmodell, ein Knochenjob, in dem mobile Pflegekräfte mit dem Auto von Tür zu Tür hetzen.
In Eure Welt – Ein Audiodrive nahmen Marc Behrens und Hannes Seidl das Publikum mit auf eine Rundfahrt durch Frankfurt am Main. Eingehüllt in heilende, entschleunigende Frequenzen, eröffnete sich dabei eine Verbindung zwischen Pflegealltag und (Selbst-)Fürsorge. Während heilende Frequenzen das Publikum sorgsam umhüllten, bauten die Gespräche eine Brücke in die harte Welt jenseits der Fensterscheiben. Eure Welt oszillierte zwischen Klangschalen und Bettpfannen und nahm sich Zeit – für das Publikum und jene, die uns pflegen.
Preise und Anmeldung
Der Audiodrive dauerte ca. 50 Min und kostete pro Person 18 Euro / 10 Euro ermäßigt
Die Installationen (Autos) konnten im Museumshof außerhalb der Performances von außen und innen besichtigt werden. Auf Anfrage beim Aufsichten-Personal wurden die Autos geöffnet.
Beteiligten Künstler:innen und Interviewpartner:innen
Künstlerische Leitung, Musik & Gestaltung: Marc Behrens / Hannes Seidl
Künstlerische Assistenz / Outside Eye: Sven Rausch
Guides: Antje Cordes, Anton Fuchs, Miriam von Kutzleben, Chiara Marcassa, Kalliope Noll, Eszter Sonnevend
Gesprächspartner:innen: Karl-Friedrich Emmerich, Franziska Hein, Annika List (Sound & Silence), Horst Oberle (Klangschalen-Center GmbH), Amine Rezam, Tünde Sukovnic (Klang der Ruhe), Vitalia Ambulanter Pflegedienst
Gesang: Helga Franke
Folierung: Folienstar
Sitzbezüge: Ina Rettkowski
Produktionsleitung: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro