Ohne Anmeldung. Im Eintrittspreis inbegriffen.
7. Februar – 14. Juni 2026
Mit der Ausstellung Wolle. Seide. Widerstand. widmet sich das Museum Angewandte Kunst nach 45 Jahren erstmals wieder ausschließlich dem Thema Teppich – in einer Zeit, in der sich das große Interesse an handgefertigten Textilien aller Art im Übrigen in einer auffallenden Anzahl an internationalen Ausstellungen widerspiegelt.
Die Ausstellung präsentiert Teppiche internationaler, zeitgenössischer Künstler:innen, die sich mit Themen des politischen Widerstands, individueller und kollektiver Resilienz sowie Resistenz befassen. Ihr Widerstand richtet sich gegen als illegitim empfundene Herrschaftsordnungen und Machtausübungen, gegen Traditionalismus, Diskriminierung, Rassismus, Traumata oder Umweltzerstörung. Die Teppiche der Künstler:innen fungieren somit als plakative Medien für gesellschaftspolitische Kommentare. In gleicher Radikalität sprengen sie mitunter die Grenzen der Flächigkeit: Sie loten die Möglichkeiten des Dreidimensionalen aus, und entfalten sich als textile Skulpturen und immersive Erfahrungsräume, die sich durch ihre affektive Qualität an gegenwärtigen Lebensprozessen beteiligen.
Dabei zielt diese Ausstellung darauf ab, Teppiche nicht aus einem stilgeschichtlichen Blickwinkel zu betrachten, sondern sie vielmehr im Interesse einer Entwicklungslinie zu zeigen, die außerhalb einer traditionellen westlichen Teppichforschung steht. Schon der Titel deutet auf neue Fragestellungen hin: Kann etwas Widerständiges in und mit textilen Materialien stattfinden? Und wenn ja, auf welche Weise verkörpern dann gerade Teppiche eine „Ästhetik textilen Widerstands“? Diesbezüglich stehen jene Perspektiven der mit jüngsten Werken aus dem ersten Viertel des 21. Jahrhunderts vertretenen internationalen Künstler:innen im Fokus der Ausstellung, die im Teppich, der zum offenen Kunstobjekt geworden ist, mit unterschiedlichen Aspekten von Widerstand einhergehen. Was aber macht dieses Medium für Künstler:innen so interessant, um über Widerstand nachzudenken, und dabei mitunter verflochtene Themen durch Knoten, die Kette und den Schuss, oder mit der Tuftpistole auszuloten?
In der Ausstellung werden ausgewählte Werke folgender Künstler:innen präsentiert:
Faig Ahmed, Diedrick Brackens, Johannah Herr, Jan Kath, Baseera Khan, Alexandra Kehayoglou, William Kentridge, Noelle Mason, Otobong Nkanga, Tobias Rehberger, Erin M. Riley, Tsherin Sherpa, Rose Stach, Nasan Tur und Jeroen van den Bogaert.
Kuratorin: Dr. Katharina Weiler
Die 37 Künstler:innenteppiche, die in der Ausstellung Wolle. Seide. Widerstand. gezeigt werden, sind auf unterschiedliche Weise entstanden, nämlich:
Die verschiedenen Produktionsweisen und deren Bedeutungen sind demnach nicht nur für die jeweiligen Kunstkonzepte relevant, sondern bilden deren grundlegende Voraussetzung und Substanz.
Die (transkulturellen) Aushandlungsprozesse bei der Entstehung jener Künstler:innenteppiche in der Ausstellung, die als Kooperationen der Künstler:innen mit Manufakturen in handwerklicher Fertigung entstanden sind, offenbaren mitunter tiefgreifende Beziehungen zwischen den Künstler:innen und Gemeinschaften von Knüpfer:innen oder Weber:innen. So verbirgt sich hinter den Arbeiten auch ein Bewusstsein gegenüber sozialen Standards in der textilen Produktion. Die Teppiche wurden beispielsweise unter Berücksichtigung transparenter Lieferketten und angemessener Vergütung (hier weltweit als eine relationsabhängige Größe verstanden) der beteiligten Kunsthandwerker:innen gefertigt – auch jene Werke, die keine formale Zertifizierung aufweisen.
Anlässlich der Ausstellung ist der Katalog Wolle. Seide. Widerstand. im Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König erschienen.
Herausgegeben von Katharina Weiler und Matthias Wagner K.
Mit Beiträgen von Caroline Achaintre, Eva Linhart, Teresa Minn, Leon Lukas Plum, Sofia Simeth, Matthias Wagner K und Katharina Weiler.
Design: Bureau Sandra Doeller
Deutsch / Englisch
188 Seiten
Hardcover
24 × 32 cm
38 Euro
Der Katalog kann an der Museumskasse erworben werden.
Wie stellen wir uns Museen in der Zukunft vor? Was passiert, wenn Menschen nicht ins Museum gehen, sondern das Museum zu den Menschen kommt – mit einem mobilen Webstuhl, der als Sinnbild für Verbindung, gemeinsames Gestalten und Teilhabe steht?
Von Februar bis Mai 2026 fährt das LOOMCYCLE durch Frankfurter Stadtteile. Es macht an Orten und bei Veranstaltungen Halt, an denen Menschen zusammenkommen und neue Verbindungen entstehen. In Stadtteilzentren, auf Marktplätzen, bei Nachbarschaftsfesten und schließlich im Museum Angewandte Kunst laden wir gemeinsam mit lokalen Akteur:innen und Partnerinstitutionen ein, mitzuwirken – zu weben, ins Gespräch zu kommen und Gestaltung als gemeinschaftlichen, demokratischen Prozess zu erleben.
Dabei geht es nicht nur um Kunsthandwerk, sondern auch um Begegnung, Austausch und die Erfahrung, gemeinsam etwas Kreatives zu schaffen. Mit dem Projekt möchten wir neue Zugänge zur Kultur eröffnen, Menschen für künstlerische Prozesse begeistern und langfristige Beziehungen zwischen dem Museum und den Stadtteilen und ihren Gemeinschaften wachsen lassen.
LOOMCYCLE – benannt nach dem englischen Wort „loom“ für Webstuhl – ist ein Projekt des Berliner Kollektivs raumlaborberlin und Teil des Vermittlungsprogramms zur Ausstellung Wolle. Seide. Widerstand. sowie des Programms der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 im Museum Angewandte Kunst.
Ohne Voranmeldung. Im Eintrittspreis inbegriffen. Weitere Termine entnehmen Sie bitte dem Veranstaltungskalender unserer Webseite.
Sa, 7. Februar, 15 Uhr
War Rugs From America
Mit der Künstlerin Johannah Herr, der Kuratorin Dr. Katharina Weiler und dem Juniorkurator Leon Lukas Plum (EN)
Mi, 25. Februar, 18.30 Uhr
Ornament und Widerstand
Mit der Kuratorin Dr. Katharina Weiler und der Kunsthistorikerin Dr. Eva Linhart
Mi, 11. März, 18.30 Uhr
Mit den Juniorkurator:innen Sofia Simeth und Leon Lukas Plum
Mi, 18. März, 18.30 Uhr
Teppiche und neue Kunstkonzepte zwischen freier und angewandter Kunst
Mit der Kunsthistorikerin Dr. Eva Linhart
Mi, 25. März, 18 Uhr
Mit den Juniorkurator:innen Sofia Simeth und Leon Lukas Plum
So, 12. April, 11 und 15 Uhr
Mit den Juniorkurator:innen Sofia Simeth und Leon Lukas Plum
Mi, 22. April, 18.30 Uhr
Mit der Kuratorin Dr. Katharina Weiler
Mi, 29. April, 18.30 Uhr
Mit den Juniorkurator:innen Sofia Simeth und Leon Lukas Plum
So, 17. Mai, 15 Uhr
Wolle, Werte, Widerstände: zeitgenössische Teppiche zwischen Kunstmarkt und Weltpolitik
Mit dem Kunsthistoriker Francesco Colli
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Kosten: Im Ausstellungsticket inbegriffen.
Infos und Voranmeldung unter create.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de oder 069 212 38522.
Mit Lilian Korner, Blinde:r Kunstwissenschaftler:in und Inklusionsaktivistin:in und der Kunstvermittlerin Linda Gottwald.
Der haptische Rundgang lädt dazu ein, die Ausstellung Wolle. Seide. Widerstand. gemeinsam und über das rein Visuelle hinaus zu erkunden. Wie lassen sich Struktur, Materialität, Dimension und räumliche Wirkung dieser Werke erfassen? Welche Rolle spielen Haptik, Vorstellungskraft und Sprache beim gemeinsamen Erleben? Und was bedeutet Zugänglichkeit in einer Ausstellung, in der sich Kunstwerke zwischen Fläche, Skulptur und Rauminstallation bewegen? Gemeinsam gehen wir der Frage nach, wie sich eine „Ästhetik textilen Widerstands“ sinnlich erschließen lässt – durch bewusstes Wahrnehmen, sich einlassen und im Dialog.
Nach Bedarf unterstützen wir Sie bei Ihrer Anreiseplanung und holen Sie an der U-Bahn-Station „Schweizer Platz“ ab. Absprachen können im Rahmen der Voranmeldung gemacht werden.
Termine
Mi, 18. Februar, 18–19.30 Uhr
So, 12. April, 13.30–15 Uhr
Mi, 13. Mai, 18–19.30 Uhr
Mi, 25. März, 19 Uhr
Öffentliche Katalogvorstellung
Mit den Autor:innen und der Grafikdesignerin Sandra Doeller
Ohne Voranmeldung.
So, 12. April, 11–16 Uhr
Thementag im Rahmen der Europäischen Tage des Kunsthandwerks
Workshops und Führungen für Kinder ab 4 Jahren, Familien und Erwachsene.
U. a. Juniorkurator:innenführungen, haptischer Rundgang für Blinde Menschen, Menschen mit Sehbehinderung und Sehende; Textilworkshop mit der Schneiderwerkstatt Stitch by Stitch.
Im Ausstellungsticket inbegriffen, Voranmeldung nur für den haptischen Rundgang erforderlich.
Mi, 15. April, 19 Uhr
Spoken Word Performance
Mit Dalibor Marković
5 EUR, ohne Voranmeldung.
Sa, 25. April, ab 19 Uhr
Nacht der Museen 2026
Kurzführungen und Walk-in-Workshop
Im Veranstaltungsticket der Nacht der Museen inbegriffen, ohne Voranmeldung.
Mi, 6. Mai, 19 Uhr
„Wir weben, wir weben!“ Wie Weben zum Inbegriff des politischen Widerstands wurde
Vortrag von Prof. Dr. Christopher Daase, Goethe-Universität Frankfurt
5 EUR, ohne Voranmeldung.
Sa, 7. März, 14–17 Uhr
Knüpfen mit Sanchir Kath, Jan Kath Design GmbH
Infos und Voranmeldung unter create.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de oder 069/212 38522
24 EUR Workshopgebühr
AUSGEBUCHT
Sanchir Kath, der Sohn von Jan Kath, wird den Knüpfwortshop leiten. Er hat Produktdesign in Kassel studiert. Im Rahmen seines Studiums verbrachte er mehrere Monate in Nepal, wo er in den Manufakturen in Kathmandu das traditionelle Handknüpfen von Teppichen erlernte. Dieses Wissen stellt ein besonderes Plus dar, da Sanchir nicht nur entwirft, sondern auch bis ins Detail versteht, wie seine Designs handwerklich umgesetzt werden. Er gibt zunächst eine kurze Einführung in die Materialkunde: Verwendet werden Wolle, Seide und Brennnesselfasern. Alle Materialien werden – ganz im Sinne einer jahrhundertealten Tradition – vollständig von Hand verarbeitet: Die Wolle wird von Hand gekämmt, von Hand gesponnen und anschließend von Hand geknüpft.
Im Workshop sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv eingebunden. Sie lernen, wie man Teppiche knüpft, und erleben unmittelbar, wie ein Teppich Knoten für Knoten, Reihe für Reihe wächst. Sanchir zeigt Schritt für Schritt den Knüpfprozess und begleitet die Teilnehmenden dabei praktisch.
Gearbeitet wird mit dem tibetischen Knoten, einer traditionellen Knüpftechnik.
Zum Hintergrund: Tibetische Flüchtlinge kamen ab 1959 aus China nach Nepal. In Kathmandu siedelten sich viele Exil-Tibeter:innen u.a. in der Umgebung des großen Stupa in Boudhanath an. Die Schweizer Entwicklungshilfe spielte eine wichtige Rolle beim Aufbau eines lokalen Handwerkszentrums, um den Lebensunterhalt der Flüchtlinge zu sichern. Sie investierte auch in den Ausbau von Teppichmanufakturen. In unmittelbarer Nähe des Stupas befindet sich heute die Jan-Kath-Manufaktur sowie das Jan-Kath-Rug-and-Art-Center, welche die ursprünglich aus Tibet stammende Tradition des Teppichknüpfens in Nepal aufgreifen.
Sa, 18. und So, 19. April, jeweils 10–15 Uhr
Tuften mit Jia Write (2-tägig)
Infos und Voranmeldung unter create.angewandte-kunst@stadt-frankfurt.de oder 069/212 38522
96 EUR Workshopgebühr
AUSGEBUCHT
Im zweitägigen Workshop führt die Tufting-Künstlerin Jia Write in die Technik des Tuftens ein – eine zeitgenössische Methode der Teppichherstellung, bei der mit Wolle und einer sogenannten „Tufting Gun“ Linie für Linie ein textiles Bild im Format A4/ A3 entsteht. Die Teilnehmenden gestalten dabei ein individuelles Motiv und erarbeiten weiche, dreidimensionale Ebenen, die dem fertigen Werk eine besondere haptische Qualität verleihen.
Zu Beginn gibt Jia Write eine Einführung in Materialkunde und Technik: Welche Wollarten eignen sich für das Tuften? Wie ist eine Tufting Gun aufgebaut und wie wird sie sicher und präzise eingesetzt? Anschließend begleitet sie die Teilnehmenden Schritt für Schritt durch den gesamten Arbeitsprozess – vom Entwurf über das Tuften bis hin zur Weiterverarbeitung des Textils durch Rasieren und Schneiden der Oberfläche.
Der Workshop verbindet konzentriertes handwerkliches Arbeiten mit einem körperlichen Erfahrungsprozess: Die rhythmische Bewegung beim Tuften ermöglicht ein intensives Arbeiten mit dem ganzen Körper und schafft einen Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung.
Am Ende des Workshops haben die Teilnehmenden nicht nur ein eigenes Werk geschaffen, sondern auch einen umfassenden Einblick in eine zeitgenössische textile Technik gewonnen und ihren individuellen Stil weiterentwickelt.
Ohne Anmeldung. Im Eintrittspreis inbegriffen.
Ohne Anmeldung. Im Eintrittspreis inbegriffen.
Ohne Anmeldung. Im Eintrittspreis inbegriffen.
Ohne Anmeldung. Im Eintrittspreis inbegriffen.
Mit der Kuratorin Dr. Katharina Weiler.
Ohne Anmeldung. Im Eintrittspreis inbegriffen.