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Deutsches Zentrum Kulturgutverluste bewilligt Provenienzforschungsprojekt zur Sammlung Cords am Museum Angewandte Kunst

Dank der Unterstützung durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg, kann das Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, seine Aktivitäten im Bereich Provenienzforschung weiterverfolgen und die systematische Bestandsprüfung seiner eigenen Sammlung intensivieren. Bereits seit 2016 unterzieht das Museum Angewandte Kunst seine Bestände einer gründlichen Erforschung, um Objekte mit ungeklärten oder lückenhaften Provenienzen im Zeitraum 1933 bis 1945 zu untersuchen und um Werke zu identifizieren, die während der NS-Herrschaft verfolgungsbedingt entzogen wurden, etwa jene aus der Sammlung von Maximilian von Goldschmidt-Rothschild (1843-1940).

Im Rahmen des Kooperationsprojekts Gekauft. Gesammelt. Geraubt? Vom Weg der Dinge ins Museum mit dem Historischen Museum, dem Jüdischen Museum, dem Weltkulturen Museum und dem Fritz-Bauer-Institut, Frankfurt am Main, wurden bereits 2018 erste Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert. Die dafür im Museum Angewandte Kunst gezeigte Kabinettausstellung erzählte exemplarisch die Geschichte der Silbersammlung des jüdischen Sammlers Joseph Pinkus (1829–1909) und seiner Tochter Hedwig Ehrlich (geb. Pinkus, 1854–1948). Eine gleichnamige Publikation, die alle vier Ausstellungen vorstellt, ist 2019 erschienen (Henrich Edition, 90 Seiten, 9,95 Euro).

Das neue bis Herbst 2020 angelegte Projekt erforscht die umfangreiche Ostasiatika-Sammlung von Carl Hugo Cords (1879-1945) aus Zoppot bei Danzig. Es handelt sich um ein Konvolut von heute knapp 1.000 Objekten, die der Sammler dem Museum für Kunsthandwerk (heute Museum Angewandte Kunst) 1943 schenkte. Seit Ende der 1920er Jahre war Cords Mitglied der Ostasiatischen Gesellschaft Berlin und stand mit zahlreichen Händlern und Sammlern in Europa und China im Austausch. Den Schwerpunkt seiner Sammlung bildet chinesisches Porzellan und Exportporzellan aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bis zur ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Vase in Gu-Form, Qing, Kangxi (2. Hälfte 17. Jahrhundert), Inv.Nr. 10673. Provenienz: Sammlung Ottmar Strauss, bis 1934; Sammlung Carl Cords, bis 1943; erworben 2019 von den Erben Strauss. © Museum Angewandte Kunst
Historische Inventarkarte für die Vase in Gu-Form © Museum Angewandte Kunst

Laut einem Bericht des damaligen Direktors des Frankfurter Museums für Kunsthandwerk, Walter Mannowsky (1881-1958), erhielt die Sammlung von Carl Cords gerade in der Zeit zwischen Frühjahr 1938 und Herbst 1942 zahlreiche Neuzugänge. Ziel ist es daher, ungeklärte Provenienzen in der Sammlung Cords aufzuklären, Verdachtsmomente aus der Zeit ab 1933 zu identifizieren, systematisch zu erforschen und ihre Provenienz im Sinne einer zeitgenössischen Museologie digital zu erfassen.

Darüber hinaus sollen auch weiterführende Fragen zur Erwerbspraxis und den Umständen des Objektankaufs beantwortet werden: Zum einen ist über die Biografie von Carl Cords als Sammler asiatischer Kunst bisher wenig bekannt. Ziel des Projekts ist es daher, sein vielseitiges Netzwerk zu anderen Sammlern und Händlern in China und Europa sowie seine Rolle innerhalb dieser Verflechtungen mit zu beleuchten.

Somit möchte das Museum mit dem Projekt auch einen Beitrag zur Erforschung des transnationalen Kunstmarkts und des Handels mit Ostasiatika in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liefern, der seitens der globalen Kunstgeschichte und Provenienzforschung derzeit besondere Bedeutung zukommt. Zum anderen rücken bei der Erforschung „kolonialer Provenienzen“ neben den Akteuren auch die genauen Umstände des kolonialzeitlichen Erwerbs ins Visier.

Der Fall der Sammlung Cords ist eines von 25 Forschungsprojekten, die im Förderzeitraum 2019/2020 vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste finanziert werden. Das Museum Angewandte Kunst ist die einzige Frankfurter Institution innerhalb dieser Förderrunde. National und international ist das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste der zentrale Ansprechpartner zu allen Fragen unrechtmäßig entzogenen Kulturgutes im 19. und 20. Jahrhundert, das sich heute in Sammlungen kulturgutbewahrender Einrichtungen befindet. Das Zentrum fördert nicht nur Forschungsprojekte, es dokumentiert darüber hinaus auch Kulturgutverluste in seiner öffentlich zugänglichen Datenbank „Lost Art“ als Such- und Fundmeldungen.