Museum

Provenienzforschung

Seit August 2016 prüft das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main seine kunsthandwerklichen Sammlungsbestände systematisch auf unrechtmäßig angeeignete Objekte aus jüdischem Besitz zur Zeit des Nationalsozialismus.

Das Forschungsinteresse richtet sich auf all jene Kunstgegenstände, die von den verantwortlichen Museumsakteuren jener Zeit bei einschlägigen deutschen bzw. französischen und niederländischen Kunsthandlungen gekauft und bei Auktionshäusern ersteigert wurden, oder als Schenkungen ans Haus kamen. Im Zuge der Provenienzforschung der kunsthandwerklichen Sammlungsbestände des Museum Angewandte Kunst soll von Fall zu Fall geklärt werden, ob sich unter den zu untersuchenden kunsthandwerklichen Objekten NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut befindet.

Durch die Erforschung des Bestandes ab 1933 bis in die Nachkriegsjahre möchte das Museum Angewandte Kunst seiner historischen Verantwortung nachkommen und seine Verbindlichkeiten im Sinne des Washingtoner Abkommens (1998) erfüllen. Die Ergebnisse der Provenienzforschung sollen nicht zum Schließen von Akten führen, sondern zur Projektierung eines in die Zukunft reichenden Erinnerungspfades.

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Forschungsprojekte:

Die Sammlung Carl Cords (1879 bis 1945) – Erforschung einer bedeutenden Ostasiatika-Sammlung des Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main

(Laufzeit: 1. Oktober 2019 bis 30. September 2022)

Das Projekt erforscht die umfangreiche Ostasiatika-Sammlung von Carl Hugo Cords (1879-1945) aus Zoppot bei Danzig, die der Sammler dem Museum für Kunsthandwerk (heute Museum Angewandte Kunst) 1943 schenkte. Ziel ist es, Verdachtsmomente aus der Zeit ab 1933 zu identifizieren und systematisch zu erforschen.

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Systematische Erforschung der kunsthandwerklichen Sammlungsbestände des Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, auf unrechtmäßig angeeignete Kunstobjekte aus jüdischem Besitz, sowie Klärung offener Fragen zu verbliebenen Objekten aus der Sammlung Goldschmidt-Rothschild.

(Laufzeit: 1. August 2016 bis 31. August 2019)

Das Projekt widmete sich unter anderem den Recherchen zur Sammlung Maximilian von Goldschmidt-Rothschild (1843–1940). Es sah eine detaillierte Aktenaufarbeitung vor, um Objekte aus dieser Sammlung, die sich noch im Bestand des Museums befinden, zu identifizieren und die Umstände ihres Verbleibs auszuwerten.

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Ausstellung:

15 Objekte aus der Sammlung Ottmar Strauss in der ständigen Präsentation Elementarteile. Aus den Sammlungen

In einer eigenen kleinen Kabinettschau werden 15 kürzlich angekaufte Objekte des jüdischen Sammlers Ottmar Strauss präsentiert. Das Museum konnte die Stücke mit Mitteln des neu angelegten städtischen Ankaufsetats von seinen Erben erwerben.

Bei den Objekten handelt es sich um chinesisches Exportporzellan aus der Qing-Dynastie. Aufgrund seiner Verfolgung als Jude während der Zeit des Nationalsozialismus sah sich Ottmar Strauss gezwungen, das Porzellan zusammen mit seiner umfangreichen Kunstsammlung Mitte der 1930er Jahre versteigern zu lassen. Die Vasen, Schalen und Teller sowie die Papierbeschwerer in Löwenform und die Figur eines daoistischen Unsterblichen erwarb der Ostasiatika-Sammler Carl Cords, der seine Sammlung wiederum 1943 dem Museum für Kunsthandwerk (heute Museum Angewandte Kunst) schenkte. Die Provenienzforscherin am Museum, Katharina Weiler, enthüllte das Porzellan jüngst als NS-Raubgut, das mehr als sieben Jahrzehnte unrechtmäßig im Museumsbestand verblieben war. Die Kabinettschau gibt einen Einblick in das aktuell laufende Provenienzforschungsprojekt, das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg bis Herbst 2022 gefördert wird.

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Publikation:

Gekauft. Gesammelt. Geraubt? Vom Weg der Dinge ins Museum

Im Rahmen des Kooperationsprojekts „Gekauft. Gesammelt. Geraubt? Vom Weg der Dinge ins Museum“ erschien eine Dokumentation die in Wort und Bild in die spezifischen Details der Auseinandersetzung führt und Perspektiven im Umgang mit belasteten Sammlungsobjekten zeigt.

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Vergangene Ausstellung:

Geraubt. Gesammelt. Getäuscht. Die Sammlung Pinkus/Ehrlich und das Museum Angewandte Kunst

Die Ausstellung Geraubt. Gesammelt. Getäuscht. Die Sammlung Pinkus/Ehrlich und das Museum Angewandte Kunst thematisierte den NS-verfolgungsbedingten Verlust der kostbaren Silbersammlung von Hedwig Ehrlich (1864-1948), der Witwe des Nobelpreisträgers Paul Ehrlich. Die Schau beleuchtete die Umstände ihrer Erwerbung durch das Museum und den Verbleib der Objekte bis heute. Zudem veranschaulichte die Präsentation exemplarisch die Provenienzforschung am Museum.

Die Ausstellung (7. Juni bis 9. Dezember 2018) fand im Rahmen des Kooperationsprojekts „Gekauft. Gesammelt. Geraubt? Vom Weg der Dinge ins Museum“ statt, gemeinsam mit dem Historischen Museum, dem Jüdischen Museum, dem Weltkulturen Museum und dem Fritz-Bauer-Institut, Frankfurt am Main.

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Vergangene Veranstaltung:

1. Tag der Provenienzforschung
Herkunft erforschen in Museen, Bibliotheken und Archiven

Am 10. April 2019 fand erstmals der Tag der Provenienzforschung statt. Mehr als 70 Kulturinstitutionen in Deutschland, Großbritannien, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz nahmen daran teil und gaben u. a. im Rahmen von Führungen, Präsentationen, Ausstellungen oder anderweitigen Aktionen einen aktuellen Einblick in wesentliche Fragen und Ergebnisse der Erforschung der Herkunft ihrer Sammlungen und Objekte.

Das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main beteiligte sich mit dem Expertengespräch Der ‚Sitten-Fuchsʻ und sein Drache an diesem internationalen Aktionstag.

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